Seine Spuren bleiben

Pfarrer Hermann Bläsi ist gestorben


| Dr. Bernhard Rosenberger, Partner |


Mein Mentor, Förderer und Freund Hermann Bläsi ist am 26. Mai 2019 im Alter von 94 Jahren in Bruchsal gestorben. Er war 46 Jahre lang (1957 bis 2003) Pfarrer meiner Heimatstadt Bad Rappenau. In seinem langen und sehr erfüllten Leben hat er auf bescheidene, aber höchst wirksame Weise viele Veränderungen in Menschen angestoßen. Am 7. Juni 2019 haben wir ihm nun mit einer großen Trauergemeinde die letzte Ehre erwiesen.


Hermann Bläsi war ein Seelsorger im besten Sinne des Wortes, ein feiner Mensch und ein „Vordenker des Glaubens“, wie ich einmal als junger Journalist in der Zeitung über ihn geschrieben habe. Er erlebte das Ende der Weimarer Republik, die Unterdrückung seines jungen, aufrechten Geistes durch die Gestapo und als Soldat die Gräuel des Krieges. In der Nachkriegszeit wurde er – wie selbstverständlich – Priester. Mit dieser Berufung war er ein „aufrechter Grenzgänger“, wie es in einer Trauerrede über ihn hieß. Die katholische Amtskirche fand in Pfarrer Bläsi einen unbequemen Mahner, aber treuen Diener. Viele Kirchenmitglieder wären ohne ihn, wie ich vermute, heute nicht mehr Teil der Kirche.


Seine Haltung, seine Gradlinigkeit und nicht zuletzt seine Herzlichkeit machten ihn früh für mich zum Vorbild. Er brachte mich zur Musik (und insbesondere zum Bass-Spiel) und gründete „The Cordials“, die Kirchenband, die seit bald 40 Jahren existiert und deren Mitglied ich lange war. Hermann Bläsi war ein Freund der Jugend und demonstrierte mir so auch früh, wie Nachwuchsentwicklung geht. Er hat mich maßgeblich als Entwickler von Personen, Teams und Organisationen direkt geprägt – und damit auch Rosenberger+Partner indirekt.


Vor zwei Jahren habe ich ihn mit über 90 Jahren nochmals als Prediger erlebt – kurz, klar und (trotz abnehmender körperlicher Konstitution) kraftvoll wie eh und je. Bei der Trauerfeier in Bruchsal hat die Orgel das Lied „Unser Leben sei ein Fest“ gespielt. Dieser musikalische Zuruf ist das, was er uns immer mitgeben wollte. Geradezu programmatisch für Hermann Bläsi.