Neues aus den deutschen Führungsetagen

Weitreichende Erhebungen zu Führung und Management sind gang und gäbe. So groß die Anzahl der erschienenen Studien, so marginal sind oft die Unterschiede der Ergebnisse. Haben Sie nicht auch den Eindruck, dass Sie so ziemlich jede "gewünschte" Führungseigenschaft schon mal in einer Studie gefunden haben? Durchsetzungsfähigkeit? Klar! Überzeugungs- und Visionskraft? Auch das natürlich! Kommunikationsfähigkeit? Erzählen Sie etwas Neues! Einmal mehr bestätigte jetzt eine breit angelegte Studie mit 20.000 Datensätzen diese Eigenschaften und viele weitere (bekannte) darüber hinaus. Wenig überraschend also. Weit überraschender war eher ein Ergebnis, das Eigenschaften negativ mit guter Führung korreliert - also anders gesprochen: Sie misst, welche Eigenschaft nicht führungstauglich ist. Glaubt man den Machern der Studie (initiiert vom kalifornischen Technologie-Start-up Good&Co) so ist es die Kreativität, die dem Handeln als Führungskraft eher im Weg steht. Kreativität sei mehr geeignet für die Fachkräfte. Gerne können wir hierzu einen Blick in unser eigenes Netzwerk werfen, um diese These zu bekräftigen.

 

Die meisten von uns haben diesen einen Bekannten im sozialen Umfeld, der im Grunde der kreative Kopf der Gruppe ist. Er hat oft und schnell die tollsten Geistesblitze und sprudelt nur so vor guten Ideen. Doch geht es um Themen wie Struktur, konstruktive Entscheidungen oder einfach nur darum, pünktlich zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein...dann treiben sie uns oft in den Wahnsinn, die Kreativen. Zugegeben: Eine sehr stark vereinfachte These und unter Laborbedingungen definitiv nicht haltbar. Zur Veranschaulichung aber sicher nicht ganz falsch.

 

Was heißt das nun für Sie als kreativen Menschen? Sollten Sie sich von dem Gedanken verabschieden, einen Posten in der Führungsetage anzustreben, und lieber als Fachkraft für Mehrwert im Unternehmen sorgen? Die Entscheidung liegt ganz bei Ihnen. Denn so oder so –heute sind die Chancen auf eine Führungskarriere größer denn je. In den Chefetagen muss zurzeit ein Umdenken weg von den klassischen Anforderungsprofilen für Führungskräfte stattfinden.

 

Das bringt mich zu unserem zweiten aktuellen Thema, nämlich zum Fachkräftemangel. Dieser ist allerdings längst nicht mehr "nur" ein Fachkräftemangel, sondern entwickelt sich zu einem Mangel auf allen Ebenen. Gerade die oberen Etagen wird diese Entwicklung noch weit schlimmer treffen als einst angenommen. Neuste Studien haben gezeigt, dass in den Führungsetagen zukünftig viele Chefsessel leer bleiben werden. Woran liegt das? Während sich der Fachkräftemangel insbesondere durch den demographischen Wandel und die Veränderungen in unseren Wertegerüsten erklären lässt, gibt es für den Führungskräftemangel noch eine weitere Ursache, die durch eine neue Studie belegt wird: In Deutschland wollen die meisten jungen Menschen (20-35 Jahre) gar einfach keine Führungsposition mehr haben. Lediglich 13 Prozent von ihnen streben aktuell noch eine Führungslaufbahn an. Zahlen, die jedes Unternehmen alarmieren sollten. Wir sehen hierin wieder einmal bestätigt, dass ein strukturierter Talent Management-Prozess sowie eine durchdachte Führungskräfteentwicklung in keinem Unternehmen mehr fehlen dürfen. Wie sonst sollen Unternehmen heute und in Zukunft noch zu geeigneten Führungskräften kommen, wenn sie diese nicht aus den eigenen Reihen rekrutieren und entwickeln? 

Jan-Philipp Rickerich

Berater, Rosenberger+Partner

 

 

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